Contergan-Film darf ausgestrahlt werden
Anlässlich des 50jährigen Jahrestages der Markeinführung des Medikaments Contergan hat der WDR den Spielfilmdrehen “Eine einzige Tablette” lassen, der sowohl das Arzneimittel als auch das Pharmaunternehmen, die Chemie Grünenthal GmbH, nennt. Der Film sollte die Geschichte eines Rechtsanwalts schildern, der mit juristischen Mitteln gegen den Pharmakonzern vorgeht, da das Medikament im Verdacht stand im Falle der Einnahme durch Schwangere bei den Föten schwere Missbildungen hervorzurufen.
Ein reales Strafverfahren gegen die Chemie Grünenthal bzw. Mitarbeiter der Firma wurde übrigens 1970 nach der Zahlung von 100 Millionen DM Entschädigung an die Contergan-Opfer eingestellt.
Gegen die Ausstrahlung des Films, die zunächst für Herbst 2006 angesetzt war, klagten sowohl der damalige Anwalt der Opfer als auch das Pharmaunternehmen. Nachdem das Landgericht die Ausstrahlung zunächst untersagt hatte, wurde dieses Urteil vom OLG gekippt und die Beschwerdeführer reichten Verfassungsbeschwerde ein.
Weiterhin wollten die Beschwerdeführer die nun für den 7.11./8.11. geplante Ausstrahlung des Films mithilfe einer Eilentscheidung untersagen lassen, dies wurde jedoch nun vom BVerfG abgelehnt. Eine Entscheidung über die Verfassungsbeschwerde steht bis dato noch aus.
Zu den Gründen sagte das BVerfG, dass es einen bedeutsamen Eingriff in die Freiheit der Rundfunkanstalten darstellt, wenn man ihnen verbieten würde Spielfilme mit aktueller Bedeutsamkeit auszustrahlen - weiterhin wäre auch das öffentliche Informationsinteresse behindert, wenn der Film erst später, also ohne Bezug zum Datum der Ausstrahlung, ausgestrahlt werden würde. Zu Argumentation der Beschwerdeführer, dass die Ausstrahlung eine schwere Beeinträchtigung ihrer Persönlichkeitsrechte bewirken würde, sagte das Gericht, dass es sich, trotz der Anknüpfung an ein historisches Geschehen, um einen Spielfilm handle und die Abweichungen im Charakter und Verhalten der Spielfiguren zu den realen Beteiligten zu groß sei, als dass der verständige Zuschauer das geschilderte Geschehen für eine tatsachengetreue Schilderung des Verhaltens der konkret Betroffenen auffassen könne.
am 11.9.2007 um 20:33 Uhr
Danke! ich war ueberrascht, dass die Ausstrahlung verboten wurde und dachte, das sei endgueltig. Mal sehen, wie es weiter geht.
Ich bin gespannt, ob das Dokumentar Frances Kelsey erwaehnt:
http://en.wikipedia.org/wiki/Frances_Oldham_Kelsey